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Geritten sind die Menschen schon vor tausenden von Jahren. Die erste Reitlehre dürfte im Jahr 430 vor Christi Geburt von dem Griechen Xenophon schriftlich niedergelegt worden sein. Schon dieser schrieb, dass ein Reiter auf einem Pferde, welches die Versammlung und die Hankenbiegung beherrscht, prächtig aussähe. Er träumte davon, dass die Reiter aller Zeiten die Fähigkeit haben sollten, auf ihren Pferden prächtig auszusehen. Das Mittelalter war die Zeit der Ritter und deren Kultur. Bis in die heutige Zeit hinein ist das Bild eines Ritters als Ideal und Vorbild in den Gedanken der Menschen verankert geblieben. In der Zeit der Ritter war die reiterliche Ausbildung eine Meiserlehre wie in jedem anderen Beruf, welcher oftmals vom Vater auf den Sohn übertragen wurde. Dabei wurden auch die ersten Grundkenntnisse meist vom Vater an den Sohn weitergegeben, bevor dieser - oft schon als Siebenjähriger - bei einem anderen Ritter als Knappe in die Lehre ging. Pferde wurden demgegenüber seinerzeit erst fünfjährig, d.h. nach Abschluss des Zahnwechsels, zur Ausbildung herangezogen. Wenn man davon ausgeht, dass ein Ritter mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von ca. 40 Lebensjahren ungefähr mit 15 Jahren die Ausbildung seines künftigen Streitrosses begann und ein sorgfältig ausgebildetes Pferd ohne Krankheiten und/oder tödliche Verletzungen bis zu 30 Jahre alt werden konnte, wird deutlich, dass hier Mensch und Pferd oftmals einen Gefährtenbund auf Lebenszeit geschlossen hatten. Da das sorgfältig ausgebildete und leichtführige Pferd die Lebensversicherung eines Ritters gewesen war, vermag auch man ermessen, welche immense Bedeutung der Auswahl und Ausbildung des jeweiligen Rosses zugekommen sein dürfte. In der Renaissance wurden die im klassischen Griechenland entstandenen Ideale, Künste und Wissenschaften wiederentdeckt. So auch die Reitkunst. In dieser Zeit entstand eine Vielzahl an Reitakademien, in denen neben der Reitkunst auch weitere Dinge gelehrt wurden, wie beispielsweise Fechten und Tanzen, Philosophie und Latein. Solange die Adligen in den Schlachten noch an vorderster Front kämpften, war die Reiterei – wie der Name schon sagt – eine Kampfreiterei, die zweckgebunden gewesen war und die Kampfgangart Terre á Terre als Hauptausbildungsziel gehabt hatte. Denn in dieser Gangart ist es möglich, Bewegungen vorwärts, rückwärst, seitwärts, aber auch Wendungen, Beschleunigungen und Stopps sowie das Festfrieren der Bewegung in der Levade auszuführen, womit eine optimale Beweglichkeit im Kampf erreicht wurde. Wie in dem Werk „L´instruction du Roy“ des berühmtesten Ausbilder dieser Zeit, Antoine de Pluvinel, deutlich wird, war die gesamte Dressurausbildung des jungen Königs Ludwig XIII. darauf ausgerichtet gewesen, aus diesem einen guten Feldherren zu formen, der seiner Armee als Ideal und Vorbild vorausreitet. Im Zeitalter des Barock verlor diese Art der Kampfreiterei an Bedeutung, denn die Fürsten, obersten Feldherren und Offiziere zogen sich mehr und mehr von der vordersten Front zurück. Nun war kein Streitross mehr gefragt. Das Augenmerk richtete sich vielmehr auf ein Luxusross, dass Repräsentationszwecken dienen konnte. In dieser Zeit erlebte die Reiterei ihre höchste Blüte. Das Reiten wurde zur Kunst erhoben - L´Arte pour L´Arte - weil es zwar vom Zweck des Kampfes befreit wurde, aber gleichwohl nicht zweckentfremdet war, da jegliche Fortbewegung mit Hilfe des Pferdes erfolgte (Repräsentation, Transport, Reisen, Jagd, Krieg). Reitkunst wurde nun von denen ausgeübt und als Freizeitvergnügen gepflegt, die es sich finanziell leisten konnten. Es war die Zeit des Francois Robichon de la Guérinière (1688 – 1751), welcher ebenfalls eine Reitakademie in Frankreich betrieb, und auf den sich bis heute eine Vielzahl von Reitlehren beziehen. Er gilt als „Erfinder“ des Schulterherein, wie es heute noch ausgeführt wird: auf drei oder vier Hufspuren, wobei die Qualität dieser Übung darin liegt, dass das Pferd mit dem inneren Hinterfuß unter den Schwerpunkt hineingreift und nicht mit seiner Hinterhand ausfällt oder diese hinterher schleppt, denn ein Pferd kann seitwärts gehen, in dem es an seinem Schwerpunkt vorbeigreift, als auch, in dem es von seinem Schwerpunkt wegschiebt.


Im Klassizismus wurden die barocken Formideale durch schlicht sachliche ersetzt. Der hoch ausgebildete Reiter, welcher noch von Mann zu Mann gekämpft hatte, wurde durch Rekruten abgelöst, die ihre reiterliche Ausbildung in sehr kurzer Zeit absolvieren mussten und oftmals als „Kanonenfutter“ endeten. Die reiterliche Qualität des so „Ausgebildeten“ blieb folgerichtig auf der Strecke. Einzig in den Reihen der Offiziere wurde das Gut der soliden Ausbildung von Pferd und Reiter im Sinne der Alten Schule weitergereicht, weil diese nach dem Angriff im Nahkampf nur so bessere Überlebenschancen gehabt hatten. Ein herausragender Ausbilder dieser Epoche war Gustav Steinbrecht (Verfasser des Buches: „Das Gymnasium des Pferdes“, 1886).


In der heutigen Zeit haben immer mehr Menschen den Wunsch und die Möglichkeit, ihre Freizeit mit dem Partner Pferd zu verbringen. Gleichwohl ist die heutige Reiterei nicht mehr zweckgebunden, worin der große Unterschied zur Reiterei zur Zeit des Barock begründet liegt. Heute kann jeder selbst entscheiden, welche Inhalte und Ziele er mit seiner Reitweise verfolgt.


Das Problem in der Reit k u n s t liegt jedoch darin, dass sie von Generation zu Generation weitergegeben werden muss. Sie kann keine überspringen, denn man kann Reit k u n s t nicht aus Büchern und Schriften erwerben. Man muss sie (er)leben ....